Technische Daten:
| Länge | 10,76 m |
| Breite | 2,62 m |
| Tiefgang | 1,52 m |
| Verdrängung | 4,85 t |
| Segelfläche | 42,60 qm |
Das Boot Flibustier
Flibustier ist eine der ersten größeren KR Yachten, die nach dem Krieg wieder gebaut werden durften. Die Alliierten hatten nach der Ausfuhr der Seefahrtskreuzer (engl. Windfall Yachts) als Reparation zusätzlich eine Längenbeschränkung für den Bau neuer Yachten eingeführt. Dies ist übrigens der Grund für den Erfolg der Hansajollen. Nach der Neufassung der KR Formel und die Einführung der Selben als Bauformel 1948 sind nach dem Wegfall der Längenbeschränkung zahlreiche Yachten entsprechend KR Formel gebaut worden.
Anfang der 1950er sind drei Yachten der 6,5KR Klasse für den Bundesgrenzschutz nach Plänen von Henry Gruber auf der Burmester Werft in Bremen Burg entstanden. Flibustier ging dann in den Bestand der deutschen Bundesmarine über, und war seitdem in Mürwik stationiert. Die Zeit bei der Marine hat mit Sicherheit dafür gesorgt, dass nicht nur insgesamt 12 zählbare Farbschichten unter Wasser entfernt werden mussten, sondern auch, dass das Boot immer technisch in einem guten Zustand gehalten wurde.
2011 wurde Flibustier außer Dienst gestellt über die Vebeg GmbH an den Voreigner des jetzigen Eigners verkauft. Der Voreigner hat erkannt, dass klassische Yachten zwar sehr schön anzuschauen, aber mit einem Topf Farbe und einem Pinsel alleine nicht zu erhalten sind. In der Coronazeit hat er Flibustier aufgelegt und seitdem nicht mehr ins Wasser gebracht. 2024 ging das Boot dann an den jetzigen Eigner.
Flibustier ist ein Kompositbau. Spanten aus Eiche werden abwechselnd durch Stahlspante ersetzt. Die Außenhaut ist aus Honduras-Mahagoni, das Deck aus Teak und alle Rundhölzer aus Spruce. Alles Holz war immer und ist noch klar lackiert. Einzige Ausnahmen sind das Teak Deck (unbehandelt) und das Deck des Aufbaus (weiß lackiert).
Alle durch die KR-Formel vorgegebene Vorschriften sind eingehalten und heute noch unverändert. So sieht die Formel zum Beispiel Schlafgelegenheiten für drei Personen vor, wobei eine davon eine „Gasrohrklappkoje“ sein darf. Diese Gasrohrklappkoje ist auf Flibustier heute noch in der Vorpiek existent und nicht einer gemütlichen Eignerkammer/ -koje gewichen. Die einzigen Modifikationen sind ein elektrisches WC, das aber kaputt ist, und einem regulären Pump WC weichen wird, und ein leistungsstarker Antriebsmotor. Der Motor ist eigentlich mit 30PS zu stark, wird aber auf Sicht nicht zurückgebaut.
Der ehemalige Takelmeister und Vorsitzende des Wassersportverein Galwik e.V. ist während seiner Fahrenszeit bei der Bundesmarine auf Flibustier unterwegs gewesen.
Zusammenfassend gesagt, war Flibustier immer ein Flensburger Boot und sollte das auch bleiben.
Der Konstrukteur
Henry Gruber ist 1899 bei uns an der Flensburger Förde in Steinberghaff geboren, und hat auf der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft seinen Beruf als Schiffbauer oder Bootsbauer gelernt.
Nach seiner Ausbildung hat Gruber in Berlin an der TU studiert. Von 1925 bis 1935 hat Henry Gruber in New York für den damals bekannten Yachtkonstrukteur W. Starling Burgess gearbeitet. Zahlreiche durchaus bedeutende Entwürfe aus dieser Zeit stammen aus seiner Feder, oder er war beteiligt. Das Konstruktionsbüro Burgess gibt es bei heute.
1935 zog Gruber zurück nach Deutschland. In Flensburg gründet er sein Konstruktionsbüro. Es war leider noch nicht herauszufinden, wo das war. Einer seiner wichtigsten Auftraggeber in der Zeit war Ernst Burmester. Möglicherweise war Burmester als Auftraggeber so wichtig, das Gruber nach dem zweiten Weltkrieg nach Bremen zog, um von dort im Auftrag von Burmester zu konstruieren.
Henry Gruber hatte es offensichtlich schwer, sich mit neuen Formen oder Materialien anzufreunden. So trägt Flibustier doch deutlich die Handschrift eines Entwerfers, der sehr an den Formen der Seefahrtskreuzer der Vorkriegszeit hing. 1956 ging Gruber in den Ruhestand und ist leider viel zu früh 1959 im Alter von 60 Jahren verstorben.
Yachten aus seiner Schaffenszeit in New York sind Nina (1928), Rainbow (Siegerin des America‘s Cups 1934) oder der 65 Fuß Schoner Barlovento. In Flensburg und Bremen sind u.A. die Roland von Bremen oder die Ashanti III entstanden.
Die Geschichte Grubers hat den Eigner dazu bewogen, sich mit Flibustier zu beschäftigen. Ein erfolgreicher Konstrukteur mit über lange Zeiträume seines zu kurzen Schaffens Lebensmittelpunkt an der Flensburger Förde, mit Ausbildung auf der Flensburger Werft und einem Konstruktionsbüro in Flensburg waren Grund genug. Tatsächlich gibt es noch weitere Parallelen. So hat der Eigner auch schon für Burgess Yachten projektiert und mit bauen dürfen. Zusätzlich hat ein für den Eigner wichtiger Begleiter seiner beruflichen Laufbahn auf der Peter von Danzig, heute Peter von Sestermühe, anlässlich des ersten Whitbread Round the World Race 1973 die Welt umsegelt. Die (oder eigentlich der) Peter von Danzig ist ein direkter Nachbau des Roland von Bremen in Stahl für den akademischen Segelverein Danzig, und geht somit auf Gruber zurück.
Der Freundeskreis Klassische Yachten e.V. hat auf seinen Web-Seiten einen sehr schönen Artikel zu Henry Gruber (siehe Quellen weiter unten).
Die Werft
1920 hat Ernst Burmester, gelernter Klempner, geboren 1893 in Bremen, seine Werft als 21jähriger in Bremen Burg gegründet. Auf Grund der wechselvollen Zeit war die Werft starken Schwankungen unterworfen, wuchs aber zunächst stetig an um nach dem Krieg auf über 750 zu steigen. 1970, kurz vor Auflösung der Wert zählte die Werft noch etwa 220 Mitarbeitende.
Das Portfolio der Werft umfasste im Segel- und früh auch Motoryachten für den privaten Gebrauch. Es wurden aber auch immer Boote und Kutter für die Kriegsmarine beider Weltkriege hergestellt. Zusätzlich hat Burmester nach dem Zweiten Weltkrieg unter dem Eindruck der Längenbeschränkung beim Bau von Segelyachten auch kleinere Wassersportfahrzeuge wie Kanus gebaut.
Ernst Burmester hat seine Werft bis zu seinem Tod 1965 geführt. Danach haben ein Schwiegersohn Burmesters und der Unternehmer und Segler Hans-Otto Schühmann die Werft geführt. Ab 1971 verzeichnete die Burmester Werft deutliche Verluste. 1979 wurde die Werft von die Lürssenwerft in Bremen Vegesack übernommen, der Standort wurde aufgebeben.
Auf dem Gelände der ehemaligen Burmester Werft befindet sich heute die Yachtwerft Meyer. Meyer befasst sich dem Bau luxuriöser Tender für Megayachten, und ist ist dem Eigner in seinem beruflichen Werdegang ebenfalls häufig begegnet. Neben Abeking und Rasmussen und der Lürssenwerft gilt die Burmesterwerft als eine der bedeutenden in der Hochzeit des klassischen Yachtbaus.
Der Plan
Der Eigner fand mit Flibustier ein Boot vor, das wenig Veränderungen erfahren hat, und durch seine Zeit bei der deutschen Bundesmarine technisch immer weitestgehend in Stand gehalten wurde. Zusätzlich hat die Zeit seit der Außerdienststellung 2011 nur zu handhabbaren Trocknungsschäden geführt. Flibustier wird also voraussichtlich bald wieder im Wasser an unserem Steg liegen können.
Folgende Arbeiten sind geplant und schon in Arbeit:
- Es wurden Nahtleisten gesetzt aber nicht über die gesamte Naht. Das unterschiedliche Quellverhalten führt zu Aufreißen der Naht. Alle diese Nahtleisten sind rausgefräst und durch solche ersetzt, die durchlaufen.
- Ein Kielgang an Backbord muss ersetzt werden.
- Der Heckspiegel ist durchgerottet; in Folge auch ein kurzer Teil des Achterstevens. Der Rott ist entfernt, Steven und Spiegel werden wieder aufgebaut.
- Der Vorsteven muss saniert werden.
- Alle Lacke und Farben von Rumpf, Aufbau und Rundhölzern werden oder sind entfernt und werden erneuert.
- Rückbau Seezaun und Sanierung der Hölzer unter den Relingstützen und Bug- und Heckkorb.
- Alle modernen Schienen an Deck demontiert, die alten Holepunkte sind noch vorhanden, und werden reaktiviert.
- Der Motor muss wieder in Betrieb genommen werden.
- Das WC muss ausgebaut und ersetzt werden.
- Die Elektrik muss verstanden und wieder Inbetrieb genommen werden.
- Die Bilge muss nach dem erfolgten Ausbau zahlloser Tanks gereinigt und neu gestrichen werden.
- Jede Menge kleine Punkte, die täglich hinzukommen
- Ein Wunschpunkt des Eigners ist, dass die Vorschiffsdeckluke durch eine wie sie gezeichnet wurde ersetzt wird. Die aktuell vorhandene ist vermutlich original, aber unförmig und zusätzlich kaputt.
Quellen
- THE ENCYCLOPEDIA OF YACHT DESIGNERS S. 186 – 188
- https://www.yachtsportmuseum.de/themen/konstrukteure/gruber.html
- Yacht- und Bootswerft Burmester, Bremen 1920-1979 - Ein bedeutendes Kapitel deutscher Bootsbau- und Segelsportgeschichte von Klaus auf dem Garten
- 21 Fischerstraße - Google Maps
- https://www.yachtsportmuseum.de/themen-zur-yachtsportgeschichte/designer/ernst-burmester